Karl Barth, der Bienenberg und die Friedensethik

Zur neuen CAS-Weiterbildung zum Konfliktberater/zur Konfliktberaterin ... und ein Besuch vor 50 Jahren

Am 6. und 7. Februar 2017 hat am Bildungszentrum Bienenberg in Liestal (Schweiz) das erste Modul der CAS-Weiterbildung zum Konfliktberater/zur Konfliktberaterin auf dem Bienenberg stattgefunden.

In Gegenwart von Prof. Thomas Schumacher (Uni Fribourg) und von Dr. Walter Dürr, Leiter des Studienzentrums für Glaube und Gesellschaft am Institut für Ökumenische Studien (Uni Fribourg) eröffnete der Programmleiter Dr. Marcus Weiand das neue Kursangebot.

Die CAS-Weiterbildung richtet sich an Berufsleute wie Lehrer, Pfarrpersonen oder Unternehmerinnen. Sie erwerben Kenntnisse darüber, wie biblisch-theologisch verantwortetes und werteorientiertes Handeln aussehen kann und trainieren ihre persönliche Konfliktfähigkeit und -festigkeit. Am ersten Modul unterrichteten Markus Weingardt (Tübingen), Heinzpeter Hempelmann und Hanspeter Jecker (Bienenberg).

Die von der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg und dem Theologischen Seminar Bienenberg getragene Weiterbildung dauert etwas über ein Jahr und kann mit einem Zertifikat (CAS, Certificate of Advanced Studies) abgeschlossen werden.

Diese neu lancierte Zusammenarbeit des in täuferisch-friedenskirchlicher Tradition stehenden Bildungszentrums Bienenberg mit einer schweizerischen Theologischen Fakultät erinnert an einen genau 50 Jahre zurückliegenden Besuch eines berühmten Vertreters einer anderen schweizerischen Theologischen Fakultät.

Ein halbes Jahrhundert ist es her seit dem Besuch von Karl Barth auf dem Bienenberg. Barth schenkte den Verantwortlichen der damaligen «Europäischen Mennonitischen Bibelschule» den Teilband 4.4. seiner Kirchlichen Dogmatik zur Frage der Taufe. Das vom damals 81jährigen Autor in zittriger Schrift persönlich signierte Buch befindet sich noch heute in der Bienenberg-Bibliothek.

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Auch im Rahmen der CAS-Weiterbildung zum Konfliktberater/In ist Karl Barth ein Thema. Sowohl im Rahmen seiner Frühzeit, als er zur Bewegung des Religiösen Sozialismus gehörte, wie auch später im Rahmen seiner theologischen Arbeit an der «Kirchlichen Dogmatik», setzte er sich mit dem Pazifismus, mit Friede und Versöhnung und dem Ansatz der Historischen Friedenskirchen auseinander.

Kein Wunder, ist das kritisch-vergleichende Evaluieren der friedensethischen Ansätze von Karl Barth und von seinem Schüler John H. Yoder bis heute ein fruchtbares Unterfangen. Das illustriert auf höchst aktuelle Weise das unlängst publizierte Buch von Marco Hofheinz, »Er ist unser Friede« – Karl Barths christologische Grundlegung der Friedensethik im Gespräch mit John Howard Yoder (Göttingen 2014).

 

Wenn es um die theologischen Grundlagen von Friedensarbeit, Versöhnungsdiensten und Konflikttransformation geht, ist die Reflexion über Texte von Autoren wie Barth und Yoder nicht nur fast unverzichtbar, sondern in hohem Masse auch hilfreich und inspirierend.

Näheres zu dieser Weiterbildung unter http://de.bienenberg.ch/blog/2016/11/15/konfliktberaterin.

Hanspeter Jecker